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Die Geschichte von Cadillac Teil 4

Wednesday, October 27th, 2010

Dem V16 folgte in den späten 1930ern der V12, basierend auf den gleichen Prinzipien und mit einem 20 Zentimeter geringeren Radstand.

Das Fahrzeug war wesentlich erfolgreicher und zwischen 1930/31 wurden 5.700 Stück verkauft. Und genau so wie beim großen Bruder gab es hier auch verschiedene Karosserien, entweder die Massenproduktion von Fischer oder die teureren von Fleetwood.

1938 wurde der V16 erneuert und bekam einen neuen Motor in Monoblockbauweise. Jetzt war es wirklich ein V16-Motor an Stelle von zwei V8-Motoren. Mit 185 PS und 7096 cc (433 ci) war er dann auch etwas kraftvoller als der ursprüngliche Motor. Es war Cadillacs letzter V16-Motor und auch der letzte V16 auf der Welt und in drei Jahren wurden knapp über 500 Stück verkauft.

Die Fahrzeuge von Cadillac mit V8-Motoren waren längst nicht so oft in den Schlagzeilen, wie die mit V12 oder V16, brachten dafür aber den Profit. 1936 kam ein neuer leichter V8 Motor auf den Markt mit 5408 cc (330 ci) oder 5703 cc (348 ci) in der Series 50 bzw. der Series 60/70. Für diese Fahrzeuge gab es eine Auswahl an drei verschiedenen massenproduzierten Karosserien, als Limousine, Coupé oder Cabrio. Aber auch wenn ein himmelweiter Unterschied zu den individuell gefertigten Karosserien der V16 Modelle bestand, so waren sie dafür auch um einiges günstiger und ließen die Verkäufe bei Cadillac auf über 25.000 Fahrzeuge im Jahr 1936 ansteigen.

Cadillac Series 61 © exfordy-flickr.com

Und die gesamten 1930er Jahre über gelang es Cadillac die Fahrzeuge mit Neuerungen wie hydraulischen Bremsen, Einzelradaufhängung oder Stahlkarosserien und anderem zu versehen. Die späten 1930er waren dann auch die Zeit für Veränderungen im Design.

Bill Mitchell, der Protegé von Harley Earl, setzte ein Zeichen mit dem 60 Special Cadillac im Jahr 1938. Basierend auf dem Series 60 Modell sah er länger und flacher aus und war 8 Zentimeter niedriger als der Standard 60er. Die Glasfläche war außerdem um 32 Prozent vergrößert. Dieses Fahrzeug setzte den Maßstab für die meisten amerikanischen Autos dieser Zeit und war das Modell von Cadillac, das sich am besten verkaufte.

General Motors registrierte das sehr schnell und im folgenden Jahr hatte der neue 61 viele Designmerkmale des Special und teilte sich die Karosserie noch dazu mit dem Pontiac, Oldsmobile, La Salle und Buick. So wurde die erste Rationalisierung in dieser Hinsicht von Cadillac eingeführt. 1940 wurden der La Salle und der V16 aufgegeben, wie schon drei Jahre zuvor der V12, aber es gab keine Angriffe auf den Kernbereich den 60 Special, 61,62,63 und den 75 mit dem langen Radstand. Alle übrigens mit V8-Motor.

1942 stellte Cadillac, wie fast ganz Detroit, die zivile Produktion ein. Als sie aber vier Jahre später wieder aufgenommen wurde, bestand ein wirklicher Nachholbedarf und es wurde das beste Jahr mit über 66.000 verkauften Fahrzeugen. Das Auftragsbuch war sogar  mit Bestellungen von über 100.000 Fahrzeugen voll und so musste man sich in den ersten Nachkriegsjahren mehr um die Produktion als um eventuelle Neuerungen kümmern. Tatsächlich war für die nächsten drei Jahrzehnte das Muster im Grunde schon vorgegeben.

Die Geschichte von Cadillac Teil 3

Monday, October 18th, 2010

Zurück bei Cadillac gab es 1912 eine weitere wichtige Neuerung, elektrisches Licht und einen Elektrostarter von Delco.

Dieses all-in-one System bestand aus einem Dynamo, der Starter diente und die Batterie auflud und Licht und Zündung mit Strom versorgte. In einer Welt von Handkurbeln und Kerosinlampen war dies ein großer Schritt nach vorne. Es war deshalb auch kein Wunder, dass die Produktionszahlen stiegen und 1912 12.000 und im darauffolgenden Jahr 17.000 Fahrzeuge gebaut wurden.

Cadillac 341 © flickr/Rex Gray

Aber Cadillac hatte noch eine weitere Neuerung im Ärmel. Die Firma kündigte für 1915 die erste Serienproduktion von V8-Motoren an. Die französische Firma De Dion Bouton hatte schon seit mehreren Jahren einen V8-Motor im Angebot, aber das Model 51 von Cadillac war anders. Hier wurden auch wieder standardisierte Teile genutzt, um eine außergewöhnlichen Motor in großen Stückzahlen zu bauen. Dies war ein 90°-V8 Motor mit 5178 cc (316 ci), der rund 70 PS leistete und stark genug war, um das Model 51 auf 105 Stundenkilometer zu beschleunigen. Der verbesserte Elektrostarter-Cadillac wurde mit 9 verschiedenen Aufbauten angeboten und kostete in der Basisversion weniger als $2.000. Wieder einmal ließ man die Konkurrenz hinter sich, auch wenn es nicht lange dauerte und auch diese mit V8-Motoren aufwarten konnten. Im ersten Jahr verkaufte Cadillac 13.000 Fahrzeuge mit V8-Motor.

Während der 1920er Jahre gab es kaum technische Erneuerungen, vielleicht wegen des Weggangs von Henry Leland. Lediglich der V8 wurde mit 77 PS stärker und das Fahrzeug konnte seine Position als eines der am stärksten motorisierten auf dem Markt behaupten. Cadillac bot in der Zeit besondere Karosserien von Herstellern wie Fleetwood und Judkins an. Als die neuen Series 341 Cadillacs auf den Markt kamen, waren sie entweder mit massenproduzierten Fisher Karosserien oder mit individuell gefertigten Karosserien von Fleetwood zu haben. Von Fisher gab es sieben verschiedene Modelle von den teureren von Fleetwood hingegen 37, was sich natürlich auch in einem höheren Preis niederschlug.

Die Cadillac 341 Modelle hatten ihren Namen übrigens von der vergrößerten Version des V8-Motors mit 5588 cc (341 ci)und wurden zusammen mit den neuen und kleineren La Salle Modell verkauft.
Diese Strategie ging auf und trotz höherer Preise lief das Geschäft in den 1920ern gut. Die Produktion stieg von 20.000 Fahrzeugen im Jahr 1920 auf 56.000 Fahzeuge im Jahr 1928 bevor die Wirtschaftskrise ihren Tribut zollte. Aber Cadillac war immer noch weit von der Massenproduktion entfernt, wie es sie zum Beispiel bei Ford gab. Cadillac war eine gut eingeführte Prestigemarke mit relativ kleinen Produktionszahlen, rangierte aber noch hinter den Duesenbergs oder Cords.

Aber Cadillac’s (und General Motors) Ambitionen lagen darin, der Aristokratie der amerikanischen Autobauer Konkurrenz zu machen und dies taten sie dann 1930 mit dem V16. So ein Fahrzeug so kurz nach dem Börsenkrach vorzustellen war natürlich unglücklich, aber Cadillac hatte dies natürlich nicht vorhersehen können, als Owen M. Nacker drei Jahre zuvor mit dem Bau der imposanten neuen Maschine begann.

Es waren eigentlich zwei V8-Motoren, die im 45 Grad Winkel miteinander verbunden waren und von denen jeder seine eigene Benzinversorgung und einen eigenen Auspuff hatte, die sich aber eine gemeinsame Kurbelwelle teilten. Der Motor mit 7456 cc (455 ci) leistete 165 PS und brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 145 Stundenkilometern.

Egal ob als Fleetwood Roadster oder mit Karosserie von Murphy oder Waterhouse, der V16 Cadillac war für seine Zeit ein außergewöhnliches Fahrzeug. Dank hydraulischer Stößel war der Motor so leise, dass es hieß man könne nur den Abreißfunken hören. Im ersten Jahr wurden noch  fast 3000 Fahrzeuge verkauft, aber schon 1931 sanken die Verkaufszahlen als Folge der Wirtschaftskrise auf 364 und wurden auch bis zum Produktionsende im Jahr 1940 nicht besser.

Die Geschichte von Cadillac Teil 2

Tuesday, October 5th, 2010

Das Model D von 1905 war dann der erste Schritt in die gehobene Preisklasse. Anders als das Einzylinder-Modell A war dies ein Modell mit Vierzylinder Motor mit 4965 cc, dass mit $2.800 fast viermal so viel kostete.

Und auch wenn die Produktion des Model D mit 156 von 3.712 Fahrzeugen nur einen kleinen Teil der gesamten Automobilproduktion von Cadillac ausmacht, so war sie doch richtungsweisend. Später in dem Jahr wurde Lelands Motorenproduktion übernommen und Leland wurde Generaldirektor.

Die Fahrzeuge waren etwas besonderes den der Ingenieur Henry Leland wusste, spätestens seit seiner Arbeit an dem Colt Revolver in jungen Jahren, Präzision und gleichbleibende Standards zu schätzen. Er übertrug dies 1907 auch auf die Automobilproduktion, nachdem er die „Jo Block“ Eichmaße aus Schweden. Diese waren von Carl Edward Johanssen  erfunden worden, um sicher zu stellen, dass jedes Teil identisch war. Anstatt nun alle Teile mühsam nacharbeiten zu müssen, konnten sie einfach angenietet werden und passten. Man konnte so wesentlich schneller wesentlich zuverlässigere Fahrzeuge produzieren.

Cadillac 1910 © wikipedia.org/DougW

Anschaulich demonstriert wurde dies 1908 von Lelands britischem Importeur Frederick S. Bennett, der drei Einzylinder-Cadillacs auseinander nahm, die Teile austauschte und wieder zu drei Fahrzeugen zusammenbaute, die auf Anhieb starteten und ohne Probleme liefen. Diese Austauschbarkeit der Teile war ein großer Schritt weg von der handwerklich basierten Produktion hin zur Massenproduktion. Allerdings wollte er Ford nicht herausfordern und unterstrich dies auch damit, dass 1909 die Produktion der Einzylinder-Modelle aufgegeben wurde.

Die Einzylinder-Modelle wurden durch den Vierzylinder-„Thirty“, der seinen Namen den PS verdankt ersetzt. Sie waren billiger als die schon existierenden Vierzylinder-Fahrzeuge und besser als die Einzylinder. Gut konstruiert und zu einem Preis den man sich leisten konnte, wurden vom „Thirty“ im ersten Jahr 6.000 Stück verkauft. Es waren drei verschiedene Versionen erhältlich.

Dieser Erfolg blieb natürlich nicht unbeobachtet und 1909 wurde Cadillac für 5,6 Millionen Dollar von William C. Durant gekauft. Leland blieb assistiert von seinem Sohn am Ruder aber dies sollte nicht lange so bleiben. Als in Europa 1914 der Krieg ausbrach, wollte Leland unbedingt Flugzeugmotoren bauen, wurde aber von Durant überstimmt. Ein wütender Leland trat daraufhin mit seinem Sohn zurück und eröffnete eine eigene Werkstatt um Motoren herzustellen. Sie hatten Erfolg und die Firma Lincoln baute nach dem Krieg Luxusfahrzeuge. Nach ein paar Jahren standen sie allerdings vor der Pleite und wurden von Ford übernommen. Dies funktionierte allerdings für Leland auch nicht und er und sein Sohn verließen nach ein paar Monaten die Firma. Henry Leland ging in den Ruhestand.

Die Geschichte von Cadillac Teil 1

Saturday, September 25th, 2010

Auch wenn die 1902 von Henry Martin Leland gegründete Firma Cadillac Fahrzeuge der gehobenen Klasse produzierte, so unterschied sie sich doch sehr von der europäischen Marke Rolls Royce.

Es war wesentlich wahrscheinlicher, auf den Boulevards in Hollywood jemanden im Cadillac zu sehen, als einen Politiker in Washington D.C. Politiker mögen die Gesetztheit eines Lincoln oder Imperial vorgezogen haben, nichts erregte aber mehr Aufmerksamkeit als ein Cadillac.

Verglichen mit europäischen Marken ähnelte Cadillac eher BMW oder Jaguar und weniger Rolls-Royce oder Mercedes-Benz.

Cadillac Model A © wikipedia.org/DougW

Hinter dem Glamour liegt aber immerhin eine Tradition technischer Neuerungen und die Geschichte von Cadillac lässt sich in drei Teile aufgliedern. Da waren die Anfänge mit bescheidenen, sparsamen Autos, dann ging es mit der Firma schnell bergauf zu Erneuerungen wie elektrischer Beleuchtung und Startern, V8-, V12- und V19-Motoren und einer nicht besonders hohen Produktion.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, mit einem vollen Auftragsbuch und einer stärkeren Zentralisierung durch General Motors,  änderte sich die Strategie erneut. Cadillac wurde zu einem Prestigeauto, das in Massenproduktion hergestellt wurde. Die Verkaufszahlen erreichten noch nie dagewesene Höhen, während Heckflossen, Chromteile und die Ausstattung wichtiger wurden, als technischer Fortschritt.

Der Ursprung von Cadillac ist einer Reihe zufälliger Begegnungen zu verdanken und es hätte die Firma wohl nie gegeben, wenn nicht Henry Ford nicht mit einigen seiner Investoren gestritten hätte. Henry Leland spielte eine Schlüsselrolle, er war Ende des 19. Jahrhunderts älter als die meisten amerikanischen Automobilpioniere und ein gut eingeführter Ingenieur. Er war schon fast 60 Jahre alt, als seine Ingenieursfirma das erste Automobil baute. Zuvor wurden Getriebe und Einzylinder-Motoren für Ransom Olds berühmten Curved Dash produziert. Sie waren zuverlässig, gut konstruiert und der Konkurrenz überlegen, was allerdings Olds nicht daran hinderte Lelands letzten Motor aus Kostengründen abzulehnen.

Während Leland sich noch nach einem neuen Markt umsah, traten die Direktoren der Henry Ford Company an ihn heran und baten ihn die Firma zu kaufen. Henry Ford war gegangen und seine Investoren waren dabei die Firma zu schließen.

Mit einer voll ausgerüsteten Fabrik, in der nichts produziert wurde und mit einem neuen Motor war für Leland sofort klar, dass ein neues Fahrzeug gebaut werden musste. Natürlich konnte der Name Ford nicht verwendet werden und so wurde sie Cadillac genannt. Benannt nach Antoine de la Mothe Cadillac, dem Franzosen, der Detroit gegründet hatte.
Der erste 1902 produzierte Cadillac ließ noch nichts davon erahnen was für exotische Kreationen die Zukunft bringen würde. Wie die damaligen Ford und Olds Modelle war er ein kleines, einfaches Fahrzeug. Lelands Einzylinder-Motor lag horizontal unter dem Sitz und ein Zweiganggetriebe mit Kette trieb die Räder an.

Der Cadillac Model A wurde das erste Mal 1903 auf der New York Automobile Show präsentiert und sofort folgten 2.000 Bestellungen pro Woche. Genaue Produktionszahlen für das erste Jahr gibt es nicht, aber es war ein guter Anfang.